Die verlorenen Talente: Warum Training allein im Nachwuchs nicht reicht

In letzter Zeit sehe ich immer mehr junge Schwimmtalente bei mir im Schwimmkanal – Kids zwischen 12 und 14 Jahren, die brennen. Sie trainieren teilweise sechsmal die Woche, spulen Kilometer um Kilometer ab, aber sie haben ein gewaltiges Defizit: Sie verstehen aber ihren eigenen Schwimmstil nicht.

Es ist fast schon schmerzhaft zu sehen: Da wird enorme Energie investiert, ohne jemals eine fundierte Videoanalyse gemacht zu haben. Wie sollen diese jungen Athleten ein Gefühl für Wasserwiderstand und Effizienz entwickeln, wenn sie sich nie selbst gesehen haben? Ein Beispiel ist das Video der talentierten jungen Schwimmerin A., die wir hier analysiert haben – das Potenzial ist riesig, aber die Technik-Blindheit bremst sie aus.

Der Irrtum beim Training: Nur Wasser erlaubt?

Ein weiteres, kritisches Thema ist die Ernährung während der Belastung. Ich höre immer wieder, dass Coaches ihren Schützlingen verbieten, während der 90-minütigen Trainingseinheit Kohlenhydrate zuzuführen. Die Regel lautet oft: «Nur Wasser trinken.“

Ich frage mich: Wie soll das gehen?

Wenn ein 13-jähriger Körper im Hochleistungstraining komplett leerläuft, passiert genau das, was wir vermeiden wollen: Der Heisshunger nach dem Training wird unkontrollierbar. Sobald die Kids zu Hause sind, „hauen sie voll rein“. Sie essen zu schnell zu viele minderwertige Kohlenhydrate.

Die Folge: Viszerales Fett trotz Leistungssport

Die Konsequenz dieser «Nur-Wasser»-Politik sehe ich bereits bei viel zu vielen jungen Sportlern: Trotz des hohen Pensums bilden sie viszerales Fett (Bauchfett) aus. Warum? Weil der Insulin-Peak nach dem Training durch das massive Überessen die Fettspeicherung direkt um die Organe befeuert. Das ist biochemisch logisch, aber sportlich und gesundheitlich eine Katastrophe.

Wenn die Eltern mit mir am Tisch sitzen, erkläre ich ihnen aus meiner 40-jährigen Erfahrung im Ausdauersport: Leistung braucht Steuerung.

  • Im Training: Gezielte Zufuhr von Langkettigen Kohlenhydraten, um den Blutzuckerspiegel stabil zu halten und den «Fressflash» danach zu verhindern.
  • Nach dem Training: Die richtigen Nährstoffe zur richtigen Zeit, statt wahlloses Auffüllen.

Hört auf, junge Talente nur über die Ausdauer zu definieren. Wir müssen anfangen, die Technik sichtbar zu machen und die Biochemie dahinter zu verstehen. Nur so formen wir Athleten, die nicht nur schnell sind, sondern auch langfristig gesund bleiben.

Dein Roy


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